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Ernst August Zimmermann, Lithographie-Drucker
und die "e.a." Grafik-Galerie
http://www.ea-grafikgalerie.de
e-Mail: eagrafikgalerie@aol.com
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E. A. Zimmermann bei der Arbeit |
Ernst Hanke und Walter Dohmen drucken |
E. A. Zimmermann und |
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Alfred Traugott Mörstedt () |
Künstler-Werkstatt A. T. Mörstedt |
"Stein im Brett"
Dank-Worte für Stein im Brett
Als ich auf der Rückreise aus Ringgenberg von einem Schweizer Zöllner gefragt wurde: "Was haben Sie in dem Paket, etwa einen Rembrandt?", scherzte ich, "Nein, einen echten Wunderlich". Der freundliche Beamte hatte es eilig, auf deutscher Seite auszusteigen, und mir fiel erst jetzt ein, daß ich ohne Ausweispapiere in ein anderes Land ein- und ausgereist war. Merklich erleichtert öffnete ich endlich das schmale Paket, das mir mein Gastgeber beim Abschied unter den Arm geklemmt hatte. Eine Grafik-Mappe vom feinsten: "10 Jahre Steindruckerei Hanke" - "10 Künstler und ein Drucker" und obenauf eine Wunderlich-Lithografie. Aufgemuntert von so viel europäischem Geist, stellte ich mir vor, selbst eine Grafik-Mappe zu drucken und an meinem 20jährigen Werkstatt-Jubiläum, am 1. Mai 1999 herauszugeben. Ich sah nicht voraus, daß das Thema "Künstler - Drucker" auf so viel Gegenliebe bei Künstlern, Druckern und Autoren treffen würde; Drucker haben eben bei Künstlern einen "Stein im Brett". Und darum fühlte ich mich verpflichtet, dieses in eine angemessene kostbare Form zu bringen. Nun ist daraus ein mehrfaches Dankeschön geworden für Leute, die unser Projekt "200 Jahre Erfindung der Lithografie - Hommage à Senefelder" im Regionalprogramm "Kulturstadt Europas - Weimar '99", in besonderer Weise begleiteten.
Anlaß um so mehr, den 20 Künstlern, die ihre Druckplatten oder einen Text zum Thema beisteuerten, herzlich zu danken. Herrn Hofrat Prof. Dr. phil. Walter Koschatzky, dem weltweit geschätzten Grafikfachmann, möchte ich besonderen Dank sagen, hat er doch mit seinem Beitrag in freundlich sachkundiger Weise maßgeblich zum Gelingen dieses bibliophilen Gemeinschaftskunstwerkes beigetragen.
Ohne das liebevolle Verständnis meiner Frau aber (auch für andere Künstler-Drucker) wäre das Vorliegende nicht so ansehenswert gelungen; nun ist es als mein schönstes und teuerstes Geburtstagsgeschenk noch zu meinem 60sten fertig geworden: Auflage 1/60 - 60/60.
Herzlichen Dank, Sie alle haben bei mir einen "Stein im Brett"!
E. A. Z.
Erfurt, den 8. September 1999
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Walter Dohmen: |
Joan Cozacu: |
Partner in der Kunst
w. Hofrat Prof. Dr. phil. Walter Koschatzky () - Wien
Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die man besser zu zweit mit Partnern macht. In Sport und Spiel zum Beispiel Fechten oder Boxen, Tennis- oder Schachspielen. Ein einzelner Fußballer wirkt ohne Partner und Gegner auf dem Platz gewiß recht vereinsamt. So ist es beim Bergklettern manchmal nicht minder von Vorteil, wenn ein Partner das Seil gesichert hat. Vieles also ist überhaupt nur mit Partnern möglich; Skat- oder Bridgespielen etwa. Und noch manches wesentlich Wichtigeres als das gibt es, das mit dem richtigen Partner getan wohl überhaupt mit nichts sonst zu vergleichen ist. Eines aber kann man nicht, nämlich, was wesentlich ist am schöpferischen Prozeß eines Künstlers, ihm durch einen Anderen abnehmen lassen.
Der schaffende Mensch ist der notorisch Einsame. Er braucht die Stille, den Einfall, jenen "göttlichen Funken" des Augenblicks, der plötzlich zündet und sich verwirklicht. Stefan Zweig nannte es so schön "jene geheimnisvolle Sekunde des Übergangs, da ein Vers, eine Melodie aus dem Unsichtbaren, aus der Vision und Intuition eines Genies durch graphische Fixierung ins Irdische tritt." "Numine afflatu" schrieb Raffael in eine der vatikanischen Stanzen unten hin: ich habe es geschaffen "vom Unsagbaren erfaßt", und er meinte genau dasselbe damit. Es geht auch in der Graphik um nichts anderes, als jenes Gestalten von optischen Spannungen, die aus einer - den tiefen Bereichen des Unbewußten entspringenden - Erregung geboren zu einem Ganzen geschlossen werden und so wieder von einem sensiblen Auge und einer empfangsbereiten Emotion zu einem ebenso tiefen Erlebnis aufgelöst werden können.
Ohne solches Vorgehen gibt es kein Kunstwerk. Dies festzuhalten ist um so wichtiger, als heute schon manche Stimme zu hören war, daß die Rolle des Künstlers in unserer so fortgeschrittenen Zeit ohnehin ausgespielt habe. Zufallsgeneratoren, digitale Überraschungen und Installationen seien an der Reihe. Ich kann mich nicht dazu bekennen, daß nur mehr Installateure für unsere Emotion sorgen sollen. Aber eben diese notwendige Unmittelbarkeit eines schöpferischen Künstlers zu seinem Werk hat in den graphischen Künsten zu manchem Problem geführt. Zunächst war die Erkenntnis da, daß die Graphik - zu Zeiten doch einziges vervielfältigendes Bildmedium - durch ihre so unterschiedliche Aufgabe auch von sehr unterschiedlichen Kriterien her zu sehen ist. Es hat die Aufgabe des Abbildens von Naturgegenständen ebenso gegeben wie die von Kunstwerken, von Persönlichkeiten wie von Städten, Landschaften, historischen Szenen, Festen und Feiern wie von Gemälden, Skulpturen und Funden der Antike. Und man darf nicht vergessen, was alles erst durch die Möglichkeiten des Bildvergleiches von Abbildungen für die Wissenschaft möglich wurde. Für Naturwissenschaften aller Bereiche, für die Aufklärung überhaupt, etwa durch Diderots und D'Alemberts Encyclopédie. Doch eben in diesem Augenblick wurde es auch klar, daß es neben diesem Erfassen der sichtbaren Welt auch jenes Erfassen des Nicht-Sichtbaren gibt, eben was dem Künstler vorbehalten bleibt. So nannte Adam von Bartsch um das Jahr 1800 seine Gesamtübersicht über die bisherigen Meister der Graphik "Le peintre graveur" und stellte damit den Graphiker jedem Malerkünstler gleich.
Dieses Heraustreten des Künstlers aus der alten Werkstattgesinnung aber hat genau jenes Problem mit sich gebracht, das seither das Verhältnis von Künstler und Drucker überschattete. Die Erfindung der Photographie hat die Welt verändert, hat technische Möglichkeiten der Bildreproduktion geschaffen, die in vollkommenster Weise alle Abbildungsaufgaben übernommen haben. Das mechanische Bildaufzeichnen trat mit dem künstlerischen Schaffen in eine verwirrende Konkurrenz.
Geblieben ist der Graphik allein mehr der Kunstbereich und diesen mit der kommerziellen Bildherstellung zu verwechseln, würde eine der großartigsten künstlerischen Ausdruckmöglichkeiten vernichten. Darum hatten die Forderungen von Lessing Rosenwald und Zigrosser in den USA bald nach dem Kriege in ihrer Schrift "What is an original print?" zweifellos gute Gründe. Man mußte die Vermengung von Kommerz und Kunst abwehren. Original kann nur sein, hieß es da, wenn ein Künstler alles eigenhändig besorge; vom Einfall an bis zur manuellen Ausführung und vor allem ohne jede Verwendung photographischer Reproduktionsmittel. Eine ganze Generation sah in dem reinen Purismus ihr Ideal, auch wenn nur allzu Viele irgendwelche Umwege fanden. Eben dieses Verschleiern brachte der Graphik ungeheuren Schaden ein. Inzwischen, wohl beginnend mit den Hauptkünstlern der Popart in den USA, kümmerten sich aber bald immer weniger darum, sie machten einfach ihre Entwürfe und überließen die Umsetzung den Druckexperten in deren superlativen Ateliers. Riva Castleman, damals Direktor der Graphikabteilung des Museums of Modern Art, schrieb um 1980, daß kaum einer der Meister noch selbst drucke und es sei ihm auch völlig egal, wie etwas entstehe, wesentlich sei allein das Ergebnis. Ich bekenne mich hierin zu Goethe in dessen Forderung, daß man die großen Schöpfungen, um sie ganz zu begreifen, nicht nur in ihrer Vollendung gesehen, sondern auch in ihrem Werden belauscht haben muß.
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Ernst August Zimmermann (r.) überreicht Klaus Schiller (l.) von der Senefelder-Gesellschaft Offenbach das originalgraphische Mappenwerk "Stein im Brett", Edition "e.a." Grafik-Galerie, am 6. November 1999. |
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Photo: Anne Wagner-Junker |
Der Künstler muß bestimmen, wie sein Werk sein solle, der Drucker jedoch kann in jedem Fall auf Grund seiner weit praxisbezogenen Kenntnis dem Künstler ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Die Zusammenarbeit also muß der notwendige Weg sein. Ich sage das sehr bewußt, weil ich glaube, daß von daher die neue Chance der manuellen Künstlergraphik kommen sollte, die Chance nämlich, sich nicht von einer noch keineswegs überschaubaren Flutwelle neuer mechanischer Bildherstellungstechniken und allen ihren Reizen überrollen zu lassen, mit welcher alles, was wir an graphischer Kunst schätzen und lieben, verloren gehen könnte. Künstler und Drucker gemeinsam jedoch werden in der graphischen Kunst alle jene Innovationen finden, welche die Zukunft braucht, um ihr auch künstlerisch zu entsprechen.
Walter Koschatzky
d. Zt. Villach, den 23. August 1999
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E. A. Zimmermann: |
E. A. Zimmermann: |